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Neuer Shopping-Trend: Curated E-Commerce!

Veröffentlicht am 14.11.2012

Marketing-Themen: E-Commerce, Marketing-Ideen, Online-Shops

„Curated E-Commerce“ heißt soviel wie betreutes E-Commerce

„Curated E-Commerce“ heißt soviel wie betreutes E-Commerce - © Picture-Factory - Fotolia.com

Beim Curated E-Commerce wird das Angebot kĂŒnstlich begrenzt. Ist das besser, als Kunden ein Riesensortiment zu bieten? Manchmal!

Online-Shopping ist klasse! Manche Kunden lieben es, beispielsweise durch einen Mode-Onlineshop zu „schlendern“, um sich Dutzende verschiedener Hosen (Blusen, Kleider, Schuhe...) anzusehen, bis sie sich aus der FĂŒlle an Angeboten genau das heraussuchen, was ihnen am besten gefĂ€llt. Solche Kunden mögen meistens Onlineshops mit einer Riesenauswahl und guten Suchfunktionen. Dann gibt es aber auch noch andere Kunden, die sich nicht die Zeit fĂŒr diese Art von Shopping nehmen können oder wollen. Unter anderem fĂŒr diese Leute gibt es Curated E-Commerce.

Was bitte ist Curated E-Commerce?

 

Als Synonym fĂŒr Curated E-Commerce wird bisweilen der Begriff Curated Shopping genutzt. „Curated E-Commerce“ heißt soviel wie betreutes E-Commerce. Das bedeutet: Der OnlinehĂ€ndler reduziert die FĂŒlle möglicher Angebote fĂŒr den Kunden auf irgendeine Weise und folgt damit dem „Weniger ist mehr“-Prinzip. Im Trendbook eCommerce 2012 vom Hamburg@work e.V. und von der TrendONE GmbH wird Curated E-Commerce als „Vorfilterung gegen Unentschlossenheit und Überforderung“ bezeichnet und wie folgt beschrieben:

„Je mehr unterschiedliche Produkte zur Auswahl stehen, desto höher scheint fĂŒr den Kunden die Möglichkeit eines Fehlkaufs. Das fĂŒhrt dazu, dass hĂ€ufig gar kein Kauf getĂ€tigt wird. Genau da setzt Curated Commerce ein und bietet eine Vorfilterung der großen Menge an Onlineangeboten.“

Bisweilen wird die Definition des Curated E-Commerce enger gefasst und steht dann fĂŒr bestimmte Marketingstrategien, die bei einer weiter gefassten Definition von Curated E-Commerce als (teils sehr unterschiedliche) Varianten des Curated E-Commerce bezeichnet werden. Orientieren wir uns einmal an der weiter gefassten Definition und werfen einen Blick auf solche Varianten.

Varianten im Curated E-Commerce

 

  • Eine Variante des Curated E-Commerce bietet beispielsweise der Chickchickclub aus Deutschland. Der Schuh-Onlineshop bietet seinen potenziellen Kunden zunĂ€chst einen Style-Check an. Auf Basis der Ergebnisse stellen Stylisten dann jeden Monat einen individuellen Showroom fĂŒr den Kunden mit Schuhen zusammen, die zum Stil des jeweiligen Kunden passen.
  • In anderen Shops mit Ă€hnlichem Konzept wie dem des Chickchickclubs bekommt der Kunde die vom Stylisten fĂŒr ihn ausgewĂ€hlte Mode zugeschickt und kann sie bei Nichtgefallen zurĂŒcksenden. Zu den Vertretern dieses Konzepts gehören in Deutschland Modomoto und Modemeister (Herrenmode).
  • Das Trendbook eCommerce 2012 nennt als ein Beispiel von Curated E-Commerce unter anderem das Schmuck-Label Chloe + Isabel aus den USA. Einige Frauen erhalten vom Label ihre eigene Online-Boutique, in der sie eine Auswahl der Produkte des Labels an Freundinnen verkaufen. Curated E-Commerce ist hier eine Variante des Empfehlungsmarketings.
  • Das Beispiel „Skyrockit“ stammt ebenfalls aus dem Trendbook. Das Unternehmen hat eine App entwickelt, die den aktuellen Film „I Don‘t Know How She Does It“ von Sarah Jessica Parker und KleidungsstĂŒcke sowie -stile der Darsteller thematisiert. Nutzer der App können sich auch Beispiele preisgĂŒnstiger Mode ansehen, die den jeweiligen Stil kopiert. Curated E-Commerce bedient sich in diesem Fall der Faszination, die Stars auf viele Menschen ausĂŒben.
  • Die laut eigener Angabe fĂŒhrende Online-Produktsuche fĂŒr Mode und Wohnen „Smatch.com“ wird im Internet ebenfalls als ein Beispiel fĂŒr Curated E-Commerce genannt, obwohl ihre Dimension das nicht erwarten lĂ€sst. Die Rede ist im Internet von ĂŒber zwei Millionen auf Smatch.com prĂ€sentierten Produkten aus 700 Shops. Smatch.com hat aber auch den Anspruch, fĂŒr „Konsumenten das fĂŒr Sie richtige Angebot im Netz zu finden“. Das geschieht etwa mit Produkten in Lieblingslisten wie „Tolle Abendkleider“ oder „Trendfarbe Burgunder“.

 

Etwas völlig Neues ist die Sache eher nicht

 

Neben den aufgefĂŒhrten Beispielen, die sehr verschiedene Marketingstrategien beschreiben, gibt es noch weitere. Sie alle zeigen, dass Curated E-Commerce BerĂŒhrungspunkte mit vielen anderen Strömungen im Marketing wie etwa dem Empfehlungsmarketing und dem Social Shopping besitzt. Kombinationen sind etwa mit dem sogenannten Abo-Commerce möglich, bei dem Kunden regelmĂ€ĂŸig Produktpakete erhalten (z.B. Herrensocken).

Das Beispiel „Smatch.com“ zeigt auch, dass ein Shop oder Einkaufsportal sich keineswegs komplett auf Curated E-Commerce einstellen muss, sondern auch „Curated E-Commerce“-Elemente in ein ansonsten auf große Auswahl setzendes Portal integrieren kann. Was Curated E-Commerce nun genau ist und was nicht, bleibt wohl letztlich etwas im unscharfen Bereich. Curated E-Commerce lĂ€sst sich wohl nicht immer trennscharf von anderen Marketingdisziplinen abgrenzen.

Etwas völlig Neues ist es wohl auch nicht. Was letztlich bleibt und alles eint, was unter dem Begriff Curated E-Commerce gefĂŒhrt ist, ist die wie auch immer geartete FĂŒhrung des Kunden durch das Sortiment, die zugleich eine (bisweilen von Kunden geschĂ€tzte) Reduktion der Auswahlmöglichkeiten bedeutet.

Ist „Curated E-Commerce“ das bessere E-Commerce?

 

Nein, das wohl eher nicht. Es wird immer diejenigen geben, die jede Art von Angebotsreduktion als „Fremdbestimmung“ empfinden, die beim Shopping aus dem Vollen schöpfen möchten und auch liebend gerne auf einen persönlichen Stylisten verzichten. Sie sind fĂŒr Curated E-Commerce die falsche Zielgruppe. Diejenigen, die etwa den Einkauf von Kleidung eher als lĂ€stige Pflicht ansehen, passen da schon eher. Es könnte sich durchaus lohnen, fĂŒr sie spezielle Curated E-Commerce-Angebote ins Leben zu rufen.

Je nach Variante des Curated E-Commerce-Angebots sind aber auch engagierte Fans (von Stars) eine mögliche Zielgruppe oder aber diejenigen, die sich bei Kaufentscheidungen an Freundinnen und Freunden orientieren. Letzteres rĂŒckt Curated E-Commerce dann wieder sehr in die NĂ€he des Social Shoppings. Wie bereits geschrieben: Trennscharf abgrenzen lĂ€sst sich die Sache eher nicht.

Der Erfolg eines Curated E-Commerce-Angebots wird unter anderem davon abhĂ€ngen, inwieweit potenzielle Kunden davon ĂŒberzeugt werden, dass die Angebotsreduktion in ihrem Sinne geschieht. Setzt sich etwa beim Curated E-Commerce-Ansatz mit Mode vorschlagenden Style-Guides bei vielen Kunden die Ansicht durch, die Guides wĂŒrden von Mode soviel verstehen wie RegenwĂŒrmer von Raumfahrt, ist das Konzept wohl zum Scheitern verurteilt.

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