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Kann Twitter selber Hass unterbinden?

Kann Twitter selber Hass unterbinden?

Kann Twitter selber Hass unterbinden? - © Thomas Pajot - Fotolia.com

Härtere Bandagen in Sachen Social-Media-Nutzung: Twitter will auf Druck der Politik hin fiese und bedrohliche Botschaften auf der Plattform stärker bestrafen. Wird die neue Nutzungsordnung ausreichen?

"Alle Accounts und zugehörige Accounts, deren Inhaber einer der unten aufgelisteten Aktivitäten nachgehen, können zeitweise und/oder dauerhaft gesperrt werden":

- Gewaltandrohungen und Aufforderungen zur Gewalt

- Systematische Belästigungen

- Hass schürendes Verhalten bezüglich Geschlecht, Religion, Alter etc.

- Veröffentlichung vertraulicher Informationen und Daten anderer User

- Ankündigung von Selbstverletzung oder Selbstmord

- Nutzung mehrerer Accounts zu diesem Zweck

- Nutzung falscher Identitäten zu diesem Zweck

Das ist der Kern der neuen verschärften Selbstkontrolle bei Twitter. Klingt gepfeffert und voller Härte. Wenn da nicht das Wörtchen "können" drin wäre. So heißt die Ankündigung alles und nichts. 

https://support.twitter.com/articles/87137#

Ist Selbstkontrolle aber überhaupt ein probates Mittel, um den Stall endlich auszumisten? "Die neuen Regeln sind tatsächlich eine Verbesserung", meinte zumindest ein Vertreter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles. Doch die Frage sei, ob damit auch Wiederholungstäter identifiziert und auf Dauer entfernt könnten. Klar: Wer als "Lump33" rausfliegt, meldet sich als "Liebling33" gleich wieder neu an. Mail-Adressen haben wir alle inzwischen wie Sand am Meer. 

Die Soziale Plattform ist, wie jedes soziale Medium, inzwischen nicht mehr allein Wiege der Meinungsteilung und der Diskussion, sondern auch ein einfaches Mittel zum Trolling und Schlimmerem. Nicht nur Nerven, schlecht Reden und sich wichtig Machen ist da inzwischen Trumpf. Auch Neo-Nazis, Ausländerhasser und religiöse Radikale jeder Art tummeln sich zuhauf auf Twitter und Co - um zu Trommeln und kräftig Stimmung zu machen. Zumindest, um den Meinungsgegner unter Druck zu setzen oder ihn zu verängstigen.

"Du miese Sau gehörst ins Lager!" (Wildcat33)

Erst kürzlich hat die Grüne Spitzenpolitikerin Kathrin Göring-Eckardt in einem bewegenden Video-Podcast geschildert, was man sich als politisch engagierter Mensch inzwischen im Netz so alles anhören muss. 

Flash ist Pflicht!

Solche fiesen Botschaften erhalten scheinbar nicht nur Linke, wofür spricht dass aktuell die CSU bei ihrer Winterklausur im lauschigen Wildbad Kreuth eine viel weitgehendere Selbstkontrolle der Sozialen Medien fordern. Volksverhetzende und beleidigende Begriffe müssten bereits vor ihrer Veröffentlichung herausgefiltert werden. Folgerung: "Automatisch generierte Propaganda-Inhalte sind durch wirksame Plausibilitätsprüfungen auszuschließen" heißt es in dem Papier (vgl. tagesspiegel.de)

Vor der Tat schon liquidieren?

"Plausibilität"? "Ausschließen"? Was die Bayern da fordern ist starker Tobak. Zum einen könnte die Überprüfung noch vor Veröffentlichung nur bedeuten, dass eine Maschine Zensur ausübt - wohl bereits in dem Moment, in dem eine Formulierung am Rechner eingetippt wird. Irre, oder? Erinnert ein wenig an "Minority Report", dem Science-Fiction-Thriller, in dem Tom Cruise Verbrecher schon vor der Tat bekämpft. Hier wie da ist das Problem, dass Meinungen und Handlungen erst einmal frei sein sollten, bis die Gemeinschaft darüber richtet.

Flash ist Pflicht!

Bei einer Automatisierung wären zudem bestimmte Worte auf dem Index. Immer wenn sie Verwendung finden, würde der Tweet direkt in die Tonne wandern. Doch wäre nicht auch ein Tweet über "miese" Geschmacksnoten für eine "Sau" vom Bio-Bauern, die eigentlich bei einem "Lager" der christlichen Jugend in den Alpen auf den Spieß sollte, automatisch ein Problem? Bei 140 Zeichen bleibt da wenig Platz für Fine-Tuning.

Wir meinen: Klar müssen Anbieter von Kommunikation auf den Missbrauch ihres Dienstes reagieren. Doch kann man auch die Post nicht dafür haftbar machen, dass sie Droh- oder mit Sprengstoff gefüllte Briefe transportiert. Die Plattform-Manager argumentieren gerne, das Netz müsse sich selbst reinigen, in dem Hasser von anderen Usern unter Beschuss genommen werden. Klar, die wollen nicht das nötige Personal einstellen. Auch ist das Argument nur die halbe Wahrheit. Am sinnvollsten ist es wohl, wenn alle an einem Strang ziehen. Twitter allein dafür verantwortlich zu machen, wäre falsch.

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