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Shitstorm zum Anglizismus des Jahres 2011 gekürt

Veröffentlicht am 12.03.2012

Marketing-Themen: Facebook, Twitter, Soziale Netzwerke, Social-Media-Monitoring, Shitstorm

Shitstorm zum Anglizismus des Jahres 2011 gewählt

Ein Shitstorm ist für jedes Unternehmen recht unangenehm. - © SVLuma - Fotolia.com

Das Team um den Hamburger Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hat den Anglizismus 2011 gekürt: Shitstorm. Weshalb musste es notwendigerweise dazu kommen?

Der Anglizismus des Jahres stellt eine positive Würdigung eines Wortes dar, das man nicht adäquat ins Deutsche übersetzen kann und das insofern die deutsche Sprache bereichert. Er steht somit im Gegensatz zum „Unwort des Jahres“, das 2011 vollkommen zu Recht der Begriff „Döner-Morde“ war. Das „Wort des Jahres“, nämlich Stresstest, erlangte übrigens bei der Wahl zum Anglizismus des Jahres den zweiten Platz.

Weshalb die Wahl naheliegend und zwangsläufig ist


Shitstorm kann man nur ungenügend mit „einer Welle der Entrüstung“ oder einem „Sturm der Empörung“ übersetzen. Dabei ist diese Form der Unmutsäußerung nicht neu, schon immer gab es Themen, die kollektive Wut auslösten. Doch die Form des Protestes war in der Vergangenheit unbefriedigend. Man konnte einen Leserbrief an eine Zeitung schreiben in der Hoffnung, dass dieser ungekürzt veröffentlicht würde. Man konnte das Unternehmen oder die Person mit Briefen oder Telefonanrufen bombardieren und war doch nie sicher, ob sie auch von dem richtigen Adressaten wahrgenommen wurden. Man konnte eine Demonstration organisieren und hoffen, dass mehr als ein tapferes Häuflein von Überzeugungstätern zum Termin erscheint. Doch mit der Verbreitung des Internets, der wachsenden Bereitschaft der User, sich persönlich einzubringen und den Verbreitungswegen von Inhalten in Sekundenschnelle hat sich eine neue Möglichkeit für die Protestkultur eröffnet, eben jener vielgefürchtete Shitstorm.
Es trifft selbstverständlich alle Bereiche des öffentlichen Lebens, seien es Politiker (zu Guttenberg, Wulff)  oder Prominente (Gottschalk und sein Vorabend-Quotendesaster, Bushido und sein Bambi), aber wir konzentrieren uns hier lieber auf Marken und Marketing.

Erst Informiertheit ermöglicht den Protest

Waren früher spezielle Informationen nur einem kleinen Kreis von Interessierten zugänglich, so werden heute Neuigkeiten per Facebook, Twitter oder in Blogs und Foren in Echtzeit verbreitet, werden schneeballartig weiterverbreitet und finden innerhalb kürzester Zeit ein breigestreutes Publikum. Und ebenso schnell und einfach kann man die Personen einer gewissen Gruppierung mobilisieren, indem man in den entsprechenden Foren zum Protest aufruft. Dass es dabei nicht immer objektiv und fair zugeht, beweist das Beispiel Ing-DiBa: Nur weil Basketball-Star Nowitzki im TV-Spot ein Scheibchen Mortadella verspeist entlud sich auf der unternehmenseigenen Facebook-Seite ein Shitstorm sondergleichen. Der Bank wird Verharmlosung von Massentierhaltung und Förderung des Fleischkonsums vorgehalten. Abertausende von empörten Kommentaren fluteten die Seite im sozialen Netzwerk, eine Reaktion, mit der wohl niemand ernsthaft gerechnet hätte. Ing-DiBa reagierte etwas hilflos und unvorbereitet, aber halbwegs verständnisvoll.

Shitstorm als moralisches Korrektiv


Doch ein Shitstorm kann auch als eine Art „moralisches Korrektiv“ fungieren, wenn nämlich Werbetreibende eindeutig über das Ziel hinausgeschossen sind.  Die E.On-Tochter „E wie einfach“ wollte ihren eher inhaltslosen Claim mit Leben füllen und zeigt im Spot eine schlaflose Blondine. Quengelnd weckt sie ihren Bettnachbar: „Hase, ich kann nicht schlafen...“ Seine Reaktion: Er gibt ihr eine brutale Kopfnuss und versetzt sie so unsanft ins Reich der Träume. Werbespruch: „Ist doch ganz einfach!“ In der dazugehörigen Pressemitteilung sprach der Konzern von einer „Kampagne (…), die leicht verständlich, humorvoll und schlicht umgesetzt ist – einfach eben!”  Das wurde allerdings vollkommen anders gesehen, der Shitstorm auf der Facebook-Seite erreichte ungeahnte Dimensionen und Kommentare wie „absolut gewaltverherrlichend, sexistisch und abartig“ waren noch harmlos. Reaktion: Kleinlaute Entschuldigung und sofortige Absetzung des Spots.
 
 

 

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