###BONUS###

NIVEAs Weihnachtswerbekampagne: Wo ist Papa?

Niveas Weihnachtswerbekampagne: Wo ist Papa?

Niveas Weihnachtswerbekampagne: Wo ist Papa? - © youtube.com/NIVEA Deutschland

NIVEA wollte zu Weihnachten mit Emotion und Familie werben. Letztere stellte sie jedoch ohne Papa dar. Das Unternehmen muss sich nun Fragen zu Familienkonzepten gefallen lassen und antwortet ganz schön kalt. Steht das Unternehmen kurz vor einem Shitstorm oder ist es schon mittendrin?

Wir hatten ja schon einmal erwĂ€hnt, dass Kinder, Tiere und nackte Frauen immer fĂŒr eine hohe Klickzahl bei Werbevideos sorgen. So weit, so erprobt.

Ersteres suchte sich der Beiersdorfer Konzern NIVEA wiederholt fĂŒr seine Werbevideos aus, um den Kunden ordentlich TrĂ€nen in die Augen zu treiben. Schon  zum Muttertag gab es einen Clip, in dem das Kind als Stimme aus dem Off zu herzzerreißenden Bildern seiner Mutter fĂŒr ihre Kraft und Liebe dankt. In dem aktuellen 60-SekĂŒnder wird nun die Weihnachtsfeier in den Vordergrund gerĂŒckt. Ebenfalls werden die Gedanken des Kindes wie in „Guck mal, wer da spricht“ laut ausgesprochen. Die Beziehung der einzelnen Familienmitglieder steht dabei im Fokus - und nicht etwa die Geschenke. Eine Creme-Packung ist auch nicht im Spot zu sehen, der im markeneigenen YouTube-Kanal gestartet ist. Das Commercial soll lediglich daran erinnern, „dass die Familie das schönste, da wichtigste Geschenk ist“, so der Marketingdirektor von Beiersdorf in Deutschland, Ingo Tanger. Emotionales Storytelling nennt man die momentan beliebte Werbeform, bei der man das Produkt nicht direkt erwĂ€hnt.

Werbung wie geschmiert

Zur Unterstreichung der familiĂ€ren Botschaft haben die wunderbar miteinander vernetzten Online-MarketingkanĂ€le auch besondere Angebote zum Fest der Liebe geschaltet. Zudem eröffnet NIVEA seinen ersten offiziellen Twitter-Account in Deutschland. Obendrein darf jeder ab Dezember seinen Lieben Postkarten, E-Cards oder Fotodosen mit persönlicher Widmung ĂŒber das Unternehmen verschicken.

Onkel statt Vater

Flash ist Pflicht!

Der blonde Junge, der engelsgleich im Video daherkommt, wird solch eine Botschaft vielleicht seinem Vater schicken wollen, denn den vermisst man im Kreise der Familie am Festtag. Er wird nicht einmal erwĂ€hnt. Stattdessen sieht man den Onkel und die Großeltern. Möglich, dass die Suche nach dem Vater in Zeiten von Patchwork und Homo-Ehe fĂŒr manche unverstĂ€ndlich ist, doch fĂŒr viele ist sie eine Ohrfeige fĂŒr die Gleichstellung von Mutter und Vater. 

MĂ€nner reagieren allergisch

Ein empörter Vater schreibt ein auf Facebook dazu: „Setzt NIVEA auf von MĂ€nnern verlassene MĂŒtter? Es sollte sich bei NIVEA rumgesprochen haben, dass in der Zielgruppe auch viele alleinstehende MĂ€nner mit Kindern ihren Alltag bestreiten mĂŒssen - und auch MĂ€nner einkaufen. Ich muss diesem zweiten dummen Werbespot die Konsequenz entgegen stellen und NIVEA vom Einkaufszettel verbannen. Das geht auch anders, gerade zu Weihnachten!” Mit dem Kommentar ist er damit nur einer von vielen. Bei den Omas und Mamas dieser Welt ist die Werbung gut angekommen. Ob das aber zu mehr Absatz auf Seiten der Cremefront fĂŒhrt?

Jeder wirbt fĂŒr sich allein

Die Krisenkommunikation aus dem Hause Beiersdorf beschwichtigt die aufgebrachten GemĂŒter auch nicht wirklich. Auf Angriffe entgegnet NIVEA eher kĂŒhl und rational. „Vielen Dank fĂŒr dein Feedback zu unserem NIVEA ‚Weihnachten’-Film. FĂŒr uns umfasst der Familienbegriff mehr als das klassische Bild der „Mutter-Vater-Kind-Familie“. Patchwork-Familien, Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Ehepartner, oder auch enge Freundschaften, die "wie Familie" empfunden werden seien ebenfalls RealitĂ€t in Deutschland und sie reprĂ€sentierten die Vielfalt unserer Gesellschaft.

Auch heißt es da: „Familie ist ein GefĂŒhl von Geborgenheit, Vertrauen und NĂ€he, von einem Ort an dem Menschen sich wohlfĂŒhlen. Dieses GefĂŒhl zu vermitteln, steht im Fokus der NIVEA Spots und wir haben bewusst einzelne Beziehungen in den Vordergrund gestellt. Zum Muttertag war es die Beziehung des Kindes zur Mutter, zu Weihnachten ist es die zu den Großeltern. SelbstverstĂ€ndlich gehört auch ein Vater zu jedem Kind & jeder Familie und es gibt auch AnlĂ€sse im Jahr, die den Vater im Fokus haben werden.“

Bislang warten die Herren der Schöpfung jedoch vergeblich darauf und reagieren weiterhin ungehalten im Web: „Ihre Antwort ist ein Paradebeispiel dafĂŒr, wie nĂŒchterne Marketing-ErklĂ€rungen die schönste Kreation relativieren.ï»żĆĄâ€œ Oder man liest die These, dass ein „Werbefeuer gegen die bösen VĂ€ter“ geschĂŒrt werde.

Zielgruppe alleinstehende Mutter?

FĂŒr viele ist vielleicht die perfekte Familienidylle erst geschaffen, wenn Weihnachten eine vaterfreie Zeit ist. Dennoch gehört der Herr Papa zum GlĂŒck der meisten noch mit unter den Baum (wenn auch besser nicht wörtlich). Wenn die NIVEA-Werber schlau wĂ€ren, dann wĂŒrden sie in einigen Tagen schnell einen Spot mit Ă€quivalent fehlender Mutter schalten, oder mit einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar.

 

Übermittlung Ihrer Stimme...
Durchschnittliche Bewertung
Bewertungen